„Wohin soll das führen?“

Liebe Schwestern und Brüder!

 

  1. „Wohin soll das führen?“ fragen wir manchmal, wenn wir skeptisch einer bestimmten Sache gegenüberstehen. Eine Frage, die eigentlich nicht wirklich jemand beantworten soll, sondern die zum Ausdruck bringen soll, dass wir lieber Abstand von dieser Sache nehmen wollen oder, schlimmer noch, unheilvolles erwarten.

 

  1. Im Advent, der großen Zeit der Erwartung und des Wartens, sollten wir uns diese Frage ruhig auch öfter stellen: „Wohin soll das führen?“ Vor ein paar Tagen fiel mir in einer dieser typischen Frauenzeitschriften ein Artikel auf mit der Überschrift: „Symplify your Weihnachten“, was auf Deutsch etwa heißen würde: „Vereinfache dir dein Weihnachten.“ Darin gaben die Redakteure und Redakteurinnen dieser Zeitschrift Tipps, wie man sich mit weniger Stress auf Weihnachten vorbereiten kann. Die bestanden aber, wie Sie sich wahrscheinlich denken können, nicht aus Vorschlägen zur Besinnung und inneren Einkehr, sondern aus Verpackungstipps, Internetadressen zur Bestellung von Geschenken, Rezepten usw. „Wohin soll das führen?“

 

  1. Am letzten Dienstag bei der Adventsfeier unserer Frauengemeinschaft habe ich eine Geschichte vorgelesen, die handelte davon, dass in etwa 200 Jahren Weihnachten komplett zu einem Fest des Konsums verkommen ist, von dem die Menschen denken, es wäre zu Werbezwecken von Coca-Cola erfunden worden. Ein Fahnder, der den Auftrag hat, überall zu kontrollieren, ob alle Gebühren ordnungsgemäß an Coca-Cola bezahlt werden, stößt bei seiner Arbeit dann auf ein kleines Häuflein von Christen, die sich in einer Kirche zum Gottesdienst getroffen hat und ihm sagt, dass Weihnachten etwas mit der Geburt von Jesus zu tun hat.

 

  1. Wenn Johannes heute auftreten würde, wo stände er wohl? Ich könnte mir vorstellen, er stände auf einem Weihnachtsmarkt, auf einer Einkaufsstrasse oder mitten im CentrO. Und er würde uns aufrufen, die Lichterschlauchberge und Geschenkpapierhügel abzutragen und die Schieflage, die Weihnachten im Lauf der Jahre bekommen hat, wieder gerade zu rücken, damit Jesus überhaupt wieder ankommen kann bei den Menschen. Am Ende, heißt es im Evangelium, da sagt Johannes: „Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ Ob wir es schaffen, dass dieses Heil unter all den Bergen von überflüssigen Dingen für alle sichtbar wieder zum Vorschein kommt? 

 

  1. Rudi Weiß, ein Autor vieler Religionsbücher für die Schule, hat zu dem Evangelium des heutigen Tages folgenden text geschrieben:               
     
    „er gäbe zu
    so genau hätte er nicht zugehört
    wie meistens bei der Lesung -
    ist ja sowieso immer dasselbe
    sie wissen schon -
    aber dann doch was interessantes aufgeschnappt
    von "Berge abtragen und Hügel"
    und "die Straßen eben machen"
    und deswegen sei er
    gleich in die Sakristei gekommen
    vielleicht könnte er was tun diesbezüglich -
    so sagte er
    der Herr von Pittel und Brausewetter“

 

  1. Vielleicht können wir auch was tun diesbezüglich. Damit der Weg für den Herrn geebnet ist, wenn er kommt. Und damit das Heil, das von Gott kommt, wieder für alle zu sehen ist.