Predigt am 3. So. im Jahreskr,. C – Homberg, St. Peter – 23./24.01.2010 – Les.: 1 Kor 12,12-14.27; Evang.: Lk 1,1-4+4,14-21.

 

 

1.   „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt!“ Damit sagt Jesus: Heute beginnt das Reich Gottes. Heute beginnt Gottes gute Zukunft. Kann man das glauben und begreifen angesichts des Elends der Menschen, dass Tag für Tag – eben auch heute – zum Himmel schreit? Haiti, Afghanistan, Klimakatastrophen, Arbeitslosigkeit…

 

2.   Für Jesus kommt es darauf an, keine Zeit mehr zu verlieren. Weil Gott für die einsteht, die Unrecht leiden, und die anklagt, die Unrecht verursachen, schafft Jesus schon mit seinem ersten öffentlichen Auftritt Unruhe und Spaltung. Er sorgt dafür und will das ja auch, dass seine Zuhörer und Zuhörerinnen  nicht gleichgültig bleiben, dass sie hier und heute Stellung beziehen.  

 

3.   „Hier und heute“, „heute-Nachrichten“, „heute-Journal“ – Das Wort „heute“ steht für die aktuellen Geschehnisse, für das, was uns jetzt in der Gegenwart vor Augen steht. Das scheint mir ein Kernanliegen der Botschaft Jesu zu sein: Jeder Tag ist ein Heute Gottes. Jesus will deutlich machen: Jeden Tag können Gottes Verheißungen wahr werden, wenn sie auf einen Glauben treffen, der sich beschenken lässt.

 

4.   Wie können wir dieser Herausforderung begegnen? Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Zwei Tage, die wir freihalten sollten von Angst und Bedrückung.

 

5.   Einer dieser zwei Tage ist Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen, geistigen und körperlichen Schmerzen. Das Gestern liegt nicht mehr in unserer Hand. Alles Geld dieser Welt kann das Gestern nicht zurückbringen. Wir können keine einzige Tat, die wir getan haben, ungeschehen machen. Wir können nicht ein Wort zurücknehmen, das wir gesagt haben. Das Gestern ist vorbei!

 

6.   Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten, ist das Morgen mit seinen möglichen Gefahren, mit seinen Lasten und Beschwernissen, mit seinen neuen Möglichkeiten und mit seinen Unwägbarkeiten. Auch das Morgen haben wir jetzt nicht in unseren Händen.

 

7.   Dabei ist mir bewusst, dass es durchaus ein berechtigtes Sorgen und Vorsorgen mit Blick auf das Kommende gibt. Aber Vorwegnehmen können wir letztlich nichts. Deshalb ist es sinnvoll, unsere Chancen und Möglichkeiten für das Heute, für das Hier und Jetzt zu erkennen und in den Blick zu nehmen.

 

8.   Der weise Papst Johannes XXIII. hat das gekonnt. Von ihm stammen die folgenden Lebensregeln, die folgenden Zehn Gebote der Gelassenheit:

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich die größte Sorge für mein Auftreten pflegen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu verbessern, nur mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin, nicht nur für die anderen, sondern auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.  

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nur für heute werde ich etwas tun, das ich keine Lust habe zu tun; sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

8. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

9. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert als gäbe es sonst niemanden in der Welt.

10. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist und an die Güte zu glauben.

 

 

                                                               Ludger  Funke