Predigt zum heiligen Petrus vom 28./29.06.08

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es hätte der große Tag im Leben des Simon Petrus werden können, jener Tag, an dem er Jesus sagte, er halte ihn für den "Messias", den "Sohn des lebendigen Gottes".

 

"Für wen halten die Leute den Menschensohn?" - Bei dieser Frage brauchten die Jünger um eine Antwort nicht verlegen zu sein. Wer nur einigermaßen sein Ohr beim Volk hatte, der wusste, was über Jesus geredet wurde. Schwieriger, aber auch herausfordernder ist es, wenn Jesus fragt: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Kein Versteckspiel mehr. Die Jünger selbst sind gefragt. War in ihrem Herzen die Überzeugung gereift, dass man in Jesus Gott selbst begegnet?

 

Es hätte der große Tag im Leben des Simon Petrus werden können, wäre ihm das Bekenntnis "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes" zur unumstößlichen Überzeugung geworden. Doch es gibt noch einen anderen Petrus. Die Evangelien zeigen ihn als einen "wandernden Felsen" - wandernd zwischen Sicherheit im Bekenntnis und Angst um das eigene Leben, wandernd zwischen treuer Nachfolge und Flucht vor der eigenen Courage. Die Geschichten von Petrus, wie er im See unterzugehen droht und wie er Jesus in der kritischen Phase lieber verleugnet als sich zu ihm zu bekennen, kennen wir alle. 

 

Das ist Petrus. So ist er. Glaubt man einer Legende, dann hat sich Ähnliches kurz vor seinem Tod noch einmal vor den Toren Roms ereignet.  Petrus, damals Vorsteher der verfolgten römischen Christengemeinde, sei von der Angst vor dem Martyrium gepackt worden. Er habe deshalb die Flucht aus der Stadt ergriffen. Da begegnet ihm ein Mann. "Herr, wohin gehst du?", fragt ihn Petrus. Darauf antwortet dieser: "Ich komme, um mich ein zweites Mal kreuzigen zu lassen." Beschämt erkennt Petrus, dass es Christus ist, der vor ihm steht, und er geht zurück. Eine kleine Kirche an der Via Appia erinnert bis heute an diese Begebenheit.

 

Was mag dies alles für uns selbst, für unser Leben als Christ, als Christin bedeuten? Warum wird mit einer solchen Hartnäckigkeit vom Versagen des Petrus berichtet, wenn gleichzeitig klar ist, dass Christus ihn nie abschreibt, sich niemand anderen als "Felsenmann" und "Apostelfürsten" erwählt? An Petrus wird etwas von dem deutlich, was einem jeden Christen und einer jeden Christin passieren kann und immer wieder passiert.

 

Jeder Mensch, auch jeder Christ hat Grenzen. Wenn es Nachteile hat, zu seinem Glauben zu stehen, wenn es unbequem wird, danach zu leben, dann tut man auch schon mal so, als ob nichts wäre, las „tangiere einen das nur peripher“, wie es so schön heißt. Christus aber hat sich seinerzeit keine anderen, keine besseren, keine treueren Apostel gesucht. So wie Petrus vor Christus steht, so stehen auch wir vor ihm, mit allem guten Willen und mit allen Schwächen. Es ist trostvoll zu wissen, dass ein neuer Anfang immer wieder möglich ist.

 

Ein Text von Herbert Gube über Petrus lautet:

„Es gibt einen fischenden Petrus.
Es gibt einen nochfolgenden Petrus.
Es gibt einen zweifelnden Petrus.
Es gibt einen sinkenden Petrus.
Es gibt einen leugnenden Petrus.
Es gibt einen zuschlagenden Petrus,
und dieser Petrus ist Fels für die Kirche.“

 

Es gibt also keinen Grund, und seien wir noch so wankelmütig und fehlerhaft, an der Berufung jedes und jeder Einzelnen von uns zu glauben.

 

 

 

Nach der Kommunion: V.:

Der folgende Text stammt von Karl Barth:

„Du bist lahm – bist schwach
und gehst sehr weit – bist stark.
Du bist blind – bist schwach
und blickst durch – bist stark.
Du bist taub – bist schwach
und hörst Zwischentöne – bist stark.
Du bist unbekannt – bist schwach

und kennst uns – bist stark
Du stirbst – bist schwach
und heilst das Leben – wie stark!“