Gottesdienste am 29./30.3.2008, 2. Ostersonntag

(Sa: mitgestaltet von der Choralschola)

 

Zum Einzug: Halleluja, lasst uns singen…928,1+3

 

Begrüßung: Funke:

Im Namen des Vaters…Die Gnade unseres Herrn…

 

Einführung: Gravendyk:

Der 2. Ostersonntag wird auch der Sonntag des „ungläubigen Thomas“ genannt. Die Erzählung von seiner Begegnung mit dem auferstandenen Herrn ist tief im Gedächtnis vieler Menschen verankert.

Es tut uns gut, von einem zweifelnden Jünger zu hören, und es hilft uns, mit unserem eigenen Zweifeln besser zurecht zu kommen.

 

Zum Kyrie: Gravendyk:

Jesus Christus, du bist unter uns, wenn wir in deinem Namen versammelt sind. Herr, erbarme dich.

Du bist unter uns, wenn wir die Botschaft deiner Auferstehung hören.
Christus, erbarme dich.

Du bist unter uns, wenn wir Brot und Wein miteinander teilen. Herr, erbarme dich.

(Sa: GL 401, Schola und Gemeinde)

 

Zum Gloria: Wer sich will freun von Herzen…929,1+2

 

Tagesgebet: Funke:

Gütiger Gott, in Jesus Christus hast du uns gezeigt, was du für uns Menschen willst: Heil und Leben in Fülle. Du bist ein Gott, der seinen Verheißungen auch treu bleibt. Deine Zusagen eröffnen uns neue Perspektiven. Lass uns deine Gegenwart in unserem Leben erfahren,
damit wir es auf dich hin gestalten. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder und Herrn in Ewigkeit.

Lesung: V.: Apg 2,42-47

 

Zum Zwischengesang: Manchmal feiern wir mitten im Tag…896,1-4

 

Evangelium: Gravendyk: Joh 20,19-31

 

Predigt: Gravendyk

 

Fürbitten:

P.: Jesus Christus, du öffnest unsere Türen und kommst zu uns.
Dich bitten wir:

 

V.:

- Öffne die Tür der Entmutigung! Schenke denen, die sich engagieren, Gewissheit, dass ihr Tun etwas bewirkt.
- Öffne die Tür des Zweifels! Schenke den Suchenden den Glauben an dich.
- Öffne die Tür der Verzweiflung! Bringe denen, die keinen Ausweg sehen, neuen Lebensmut.
- Öffne die Tür des Misstrauens! Zeige den Streitenden Wege zu Frieden und Versöhnung.
- Öffne die Tür der Gleichgültigkeit! Sende den Antriebslosen deinen Heiligen Geist.
- Öffne die Tür der Trauer! Erfülle die Trauernden mit neuer Hoffnung.

P.: Barmherziger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes verwandelst du uns. Dafür danken wir dir und preisen dich, jetzt und in Ewigkeit.

Zur Gabenbereitung: Nun freue dich, du Christenheit…222,1+2

 

Gabengebet: Funke:

Lebenspendender Gott, Brot ist Zeichen des Lebens und Wein Zeichen der Freude. Leben und Freude möchtest Du uns Menschen schenken. Mach Brot und Wein, die Gaben, die wir dir darbringen
zum Sakrament deiner Gegenwart. Darum bitten wir dich heute und an allen Tagen unseres Lebens.

 

Zum Sanctus: Wir wollen alle fröhlich sein…223,1+2

(Sa: GL 403, nur Schola)

 

Zum Lamm Gottes: Halleluja, kommt, ihr Heiden…928,4

(Sa: GL 404, Schola und Gemeinde)

 

Zur Kommunion: Orgelspiel

 

(Sa: nach der Kommunion: Surrexit dominus)

 

Nach der Kommunion: V.:

Komm in unsere Mitte, Gott,
wenn wir aus Furcht vor den Menschen
hinter verschlossenen Türen sitzen;
kleingläubig die Argumente hin und her wenden,
von unseren Zweifeln nicht loskommen.
Lass uns Deiner sicher werden,
dass wir wagen, die Türen zu öffnen
für alle, die Heimat brauchten und Halt.
Dass wir hinausgehen zu denen draußen,
die, allein mit ihren Nöten, darauf warten,
dass einer sie findet.

 

Schlussgebet: Funke:

Barmherziger Gott, durch dein Wort und dein Brot des Lebens bist du in unserer Mitte. Lass deine Gegenwart in dieser Feier auch wirksam werden in unserem alltäglichen Tun und Handeln. Darum bitten wir dich heute und in Zukunft.

 

Publikandum: Funke

 

Segen: Funke:

Gott mache die Tore eurer Seele weit und öffne die Türen zu euren Herzen, dass die heilenden Kräfte euch durchströmen und sich in euch ausbreiten können.
Gott breite in euch die Zweige der Hoffnung aus, dass der Friede in euch einziehen kann und eure Seele zur Ruhe kommt.

Dazu segne euch…

 

Schlusslied: Das ist der Tag, den Gott gemacht…220,1-3

 

 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

  1. Am Freitagabend bin ich bei der Vorbereitung auf diese Predigt auf  den folgenden Text gestoßen, in dem die Hauptperson es heutigen Evangeliums selbst zu uns spricht:

 

„Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Thomas, Apostel des Jesus von Nazareth... Dass ich vor meiner Begegnung mit IHM Fischer war, wissen Sie vermutlich nicht, aber Sie kennen wahrscheinlich meinen Spitznamen: Didymos. Dabei ist das gar kein Spitzname, sondern nur die Übersetzung meines Vornamens. "Thomas" bedeutet "Zwilling".
Und noch etwas ist weithin bekannt: Dass ich der Zweifler bin. Und darum glauben Sie mich zu kennen, nicht wahr? Thomas, der Zweifler. Der, der nicht glauben wollte, was er nicht sah. Aber Sie irren sich. Gezweifelt haben die anderen. Ich war verzweifelt.
Darum war ich auch nicht dabei, als Jesus den anderen Aposteln erschienen ist. Ich hielt es nicht aus in ihrer Gegenwart. Sie verschanzten sich und spielten "geschlossene Gesellschaft". Mich trieb es hinaus vor die Stadt. Ich wollte allein sein.
Aber auch wenn ich nicht wie sie hinter verschlossenen Türen in Todesstarre verfiel, so igelte ich mich dennoch ein in Verschlossenheit. Ich wollte nichts mehr hören und sehen.
Als ich sie dann wieder traf, erzählten sie mir von einer Begegnung mit Jesus. Ich konnte es nicht glauben. Aber ich hatte den Eindruck, sie wussten auch nicht, was sie mir da erzählten. Und so sprach ich eigentlich nur aus, was alle dachten. Keiner von uns hatte kapiert, was hier eigentlich vorgefallen war. Unsere Türen waren wieder zugefallen.
Ich bin mir sicher, ER kam nicht wegen mir noch einmal. ER kam noch einmal, weil die Türen immer noch verschlossen waren. Er wusste, wie immer, wie es um uns stand.
So, wie der Stein auf seinem Grab für ihn kein Hindernis war, so öffnete er die Türen vor unseren Seelengräbern. "Friede sei mit euch", sprach er zu uns. Jesu Friede ist der Dietrich, der Türen öffnet.
Jesus meinte keinen politischen Frieden. Sein Friede ist ein vom Geist erfülltes, gehauchtes Schalom, das Heilung schenkt. Der Friede Jesu ist eine offene Tür zum Leben.“

 

  1. Soweit der Bericht vom so genannten „ungläubigen“ Thomas. Er spricht wahrscheinlich vielen Menschen aus dem Herzen. Er ist nicht das, was allgemein behauptet wird. Das, was ihm als Unglaube untergejubelt wird, ist in Wirklichkeit nur seine Ehrlichkeit, die andere nicht auszusprechen wagen: Die Angst, dass es alles nicht wahr sein könnte mit der Auferstehung Jesu. Die Angst, dass man nichts damit anzufangen weiß. Was heißt das denn – Auferstehung? Was bedeutet das für mich, für mein Leben, für meinen Alltag? Verändert sich dadurch was? Bedeutet mir das was?

 

  1. Thomas wurde durch die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus klar: Auferstehung passiert nicht erst nach dem Tod eines Menschen, sondern sie ist täglich erfahrbar. Auferstehung passiert, wenn sich eine Tür zum Leben öffnet: Wenn jemand nach einer schweren Krankheit wieder gesund wird, wenn man sich nach einem Streit versöhnt, wenn in einer ausweglosen Situation eine Lösung gefunden wird, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht...
  2. Das musste Thomas im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen, wie wir alle es begreifen müssen. Und dazu brauchen wir Menschen, die überzeugen, die selbst glauben, deren Türen zum Leben schon geöffnet sind, weil sie bereit waren, ihrem Glauben an Jesus einen kleinen Vorschuss an Vertrauen zu geben. Gewissheit bis zum Letzten kann uns niemand geben, wenn es um die Auferstehung geht. Aber vielleicht die Erfahrung teilen, wie es ist, wenn sich die Tür zum Leben öffnet.