Predigt an Ostern 2007 / Jahreskr. C – Homberg, St. Peter – 8.4.2007 – Evang.: Lk 24,1-12.

 

1.   “Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten?” Das ist die Frage aller Fragen, die österliche Einladung, sich auf den Weg zu machen und ihm, dem Vermissten und Ersehnten, nachzugehen. Hier in unserer Gemeinde St. Peter versuchen wir das nun schon seit vierzig Jahren. Unser vierzigjähriges Bestehen können wir in diesem Jahr feiern.

 

2.   Wie, wo und auf welche Weise werden die Menschen hier in Homberg in 10, 20 oder 30 Jahren Ostern feiern? Wir können es uns wohl nicht vorstellen. Die deutschen Diözesen und Pfarrgemeinden befinden sich in mehr oder minder tiefgreifenden Um- und Neustrukturierungsprozessen. Überall ist von Gemeindefusionen die Rede. Was wird sich ändern? Was wird bleiben?

 

3.   Der Herausgeber einer großen Tageszeitung bat vor Jahren den Jesuitenpater Karl Rahner, er möge ihm doch für seine Zeitung den Leitartikel für die Osterausgabe schreiben. Der Pater schrieb zurück: „Das kann ich nicht, denn die Leser Ihrer Zeitung und sicher auch Sie wollen, dass ich etwas Neues schreibe, was noch keiner geschrieben hat – und das kann ich nicht! Es gibt nur eine Botschaft an Ostern, die immer dieselbe ist: Jesus lebt! Das ist eigentlich jedesmal neu und immer sensationell.“

 

4.   Jesus lebt! Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten? Sind wir auf der richtigen Spur? Bin ich auf der richtigen Spur? Ich erinnere mich noch gut an mein Vorstellungsgespräch hier in der Gemeinde St. Peter. Das war im Mai 1993 – mit den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes. Unter anderem wurde ich damals gefragt, ob ich delegieren könne. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich etwas zögerlich geantwortet, weil ich wusste und weiß, dass mir das Delegieren nicht immer leicht fällt.

 

5.   Je länger ich Pastor bin, desto besser glaube ich diese Frage zu verstehen: Ich denke, bei der Frage ging es nicht nur um die Abgabe irgendwelcher Arbeit, es ging auch und vor allem um die Frage nach dem Vertrauen und Zutrauen: Traust du uns etwas zu? Vertraust du unseren Fähigkeiten? Rechnest du mit dem Schatz unserer geistlichen Erfahrungen? Glaubst du an die Charismen, an die Begabungen, die in uns stecken?

 

6.   Nicht nur das Weihesakrament garantiert die Vergegenwärtigung Christi. Seine Spuren und seine Gegenwart in unserer Mitte sind von allen Getauften und Gefirmten in lebendiger Glaubenspraxis zu entdecken. Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten? Die Frage gilt nicht nur den Hauptamtlichen und den Priestern. Sie gilt allen Gläubigen. Alle können IHN suchen, IHN in ihrem Leben finden und in SEINEM Namen handeln.

 

7.   Für die Zukunft der Gemeinden und des Glaubens ist es tödlich, wenn den Gläubigen das nicht zugetraut wird,  wenn sie zu passiven Empfängern einer klerikal strukturierten Seelsorge werden. Um es mit den Worten des Münsteraner Pastoraltheologen Udo Schmälzle zu sagen: „Wenn die Kirche in den kommenden Jahrzehnten nicht auf immer weniger werdenden Altären verdampfen und in entpersonalisierten und beziehungsverarmten Lebensräumen letztlich verbluten will, tut sie gut daran, dafür zu sorgen, dass in ihren Gemeinden die vielfältigen Geistesgaben, die Charismen zur Entfaltung kommen.“ Deshalb kommt alles darauf an, Strukturen zu schaffen, in denen sich diese Charismen entfalten können.

 

8.   So möchte ich Ostern verstehen – im vierzigsten Jahr des Bestehens unserer Gemeinde: Als Einladung, Jesus, den Lebenden, in unserer Mitte zu suchen. Davon bin ich fest überzeugt: Auch in unserer Gemeinde St. Peter gibt es mehr Spuren und Lebenszeichen von IHM, als wir ahnen und uns vorstellen können.

 

                                                                           Ludger  Funke