Predigt am Christkönigssonntag / 34. So. im Jahreskr. B – Homberg, St. Peter – Les.: Off 1,5b-8; Evang.: Joh 18,33b-37.

 

1. Das Christkönigsfest findet in keinem weltlichen Kalender Erwähnung.

Auch im Bewusstsein vieler Gottesdienstbesucher verschwindet es fast gänzlich

zwischen Allerheiligen und Allerseelen zu Beginn des Monats,

dem Volkstrauertag am letzten Sonntag und dem Adventsbeginn in einer Woche.

 

2. Die ersten Weihnachtsmärkte haben bereits ihre Pforten geöffnet

und man ist geneigt eher an das Kind in der Krippe zu denken als an einen Christkönig.

Christkönigsfest? Christkönigssonntag? Was soll das?

Könige sind entweder etwas für die Klatschspalten oder

sie sind uns mit ihrem seltsamen Machtanspruch und ihrem eigenartigen Prunk doch recht fremd und fern.

 

3. Andererseits: Der Christkönigssonntag am Ende des Kirchenjahres stellt eine Herausforderung dar.

Die Verhörszene, die das heutige Evangelium beschreibt, ist ein Teil der Passionsgeschichte.

In der Mitte des Textes steht Jesu Antwort: „Mein Königreich ist nicht von dieser Welt!“

 

4. Es gibt eine Größe Gottes, die ich nicht verstehen,

vor der ich mich nur in Demut und Dankbarkeit verneigen kann.

Es tut gut, nicht immer für alles selbst verantwortlich sein zu müssen,

sondern sich einem Größeren anvertrauen zu können.

Und dennoch: Die Fragen bleiben:

Gott als König? Christus, der menschgewordene Gottessohn – ein König?

Ist das nicht doch ein seltsames Bild?

 

5. Vor einigen Jahren gab es in Düsseldorf eine Kunstausstellung.

Draußen vor dem Eingang zur Ausstellung lag ein Riesenbaumstamm,

ganz verbrannt, quer auf dem Weg, so dass jede Besucherin und jeder Besucher dagegen laufen musste.

Wenn man genauer hinsah, dann konnte man ganz schwach die Konturen eines Menschen erkennen.

Unten am Fuß des riesigen schwarz verbrannten Baumstammes war eine Eisengussplatte aufgeschraubt.

Auf der Platte standen in Eisen gegossen die Worte: „Jeder Mensch ist ein König.“

 

6. Baumstamm und Eisengussplatte stammten von dem Künstler Anatol Herzfeld.

Darum geht es in seinem ganzen Schaffen: Allen Menschen einzuhämmern, dass jeder Mensch ein König ist.

Und da liegt nun der Mensch: verbrannt und verstümmelt.

Und da hängt nun der Mensch: gequält und gekreuzigt.

 

7. Und da sitzen und stehen wir nun, wir Menschen, auch wir verstümmelt, verängstigt und unerlöst.

Gar nicht königlich, sondern unter Zwängen und oftmals unfrei.

Und dann eine solche Botschaft: Jeder Mensch ist ein König.

Jeder Mensch ist dazu in die Welt gekommen, ein König zu sein,

nicht um andere zu beherrschen, sondern um andere zu erlösen und zu befreien.

 

8. In diesem Sinne war Jesus Christus ein König,

in einem befreienden, nicht im triumphalistischen Sinne,

mehr als jeder andere auf dieser Erde.

Ein König, der als Kind kommt, nicht als Herrscher.

Bei uns ist das wohl oft anders:

Nicht die Kinder sind Könige, sondern die Kunden. König Kunde…

 

9. In der bevorstehenden Adventszeit kommen wir um diese Frage nicht herum:

Wer ist der König? Das Kind oder der Kunde?

 

 

Ludger Funke