Predigt am 14. So. im Jahreskr. C – Homberg, St. Peter – 4.7.2010 – Les.: Gal 6,14-18; Evang.: Lk 10,1-9.

 

1.  Gestern haben nur wenige Gottesdienstbesucher und –besucherinnen an der Vorabendmesse um 17.00 Uhr teilgenommen. Der Grund ist Ihnen allen bekannt: Zur gleichen Zeit lief das Viertelfinalspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Argentinien. Und manchen von Ihnen geht dieses Spiel sicherlich auch heute noch nach.

 

2.  Ich habe gestern Abend die Predigt ausfallen lassen. Nachdem ich die erste Halbzeit gesehen hatte, wollte ich mir gerne auch noch die letzte Viertelstunde des Spieles am Fernsehen anschauen. Und ich habe es nicht bereut: Es war ja wirklich ein mitreißendes und begeisterndes Spiel.

 

3.  Was fasziniert so viele Menschen an diesem Spiel? Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass die Menschen spüren, dass dieses Verlieren und Gewinnen, dieses Zittern und Bangen, das Jubeln, Feiern und Schimpfen etwas mit ihrem Leben zu tun hat. Gerade das, was viele – vor allem auch junge Menschen – mit Blick auf unsere Gottesdienste so oft beklagen: Was hat das denn noch mit meinem, mit unserem Leben zu tun?

 

4.  Dabei geht es Jesus mit seiner Botschaft stets um Nahrung, um „Lebens-Mittel“, um Mittel, die den Menschen zum Leben helfen. Auf der Höhe des Sommers, zwei Wochen nach dem astronomischen Sommerbeginn und dem längsten Tag des Jahres, erzählt uns das Evangelium eine Erntegeschichte: Weil es höchste Zeit zur Ernte ist, sendet Jesus zusätzliche Arbeiter in seine „Ernte“.

 

5.  Wenn jetzt im Hochsommer bald wieder landauf und landab die Erntemaschinen fahren, können wir schnell das Gefühl bekommen, dass die Hälfte des Jahres wieder vorbei ist, das die Tage wieder kürzer und die Nächte länger werden. Aber gerade auch angesichts der Erkenntnis, dass das Jahr wieder seinem Ende entgegen geht, sagen wir uns vielleicht auch: Nun mal langsam! Noch ist ja Zeit!

6.  An diesem Punkt packt uns Jesus heute und sagt: „Jetzt! Jetzt ist es Zeit zur Ernte! Jetzt seid ihr `dran, Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Jetzt und nicht irgendwann, wenn ihr meint besser dafür gerüstet zu sein.

 

7.  In einem Kommentar zum gestrigen Spiel hieß es: „Die Spieler waren auf die Minute topfit und bestens auf die Situation und den Gegner eingestellt. Deshalb konnten sie fair spielen und kamen ohne grobe Fouls aus.“ Sind wir fit für die Ernte unseres Lebens? Sind wir gut eingestellt auf ein faires „Lebens-Spiel"?

 

8.  Wie fair sind wir wirklich? Ein kleiner Text kann uns da vielleicht ein wenig nachdenklich machen:

„Gefragt, was er denn von aller Moral noch am ehesten akzeptieren könne, meint er, es sei das ´fair-play`.

Nachgefragt, was er denn an diesem Sportartikel so akzeptabel fände, sagt er: Dass es einfach Spielregeln geben müsse.

Hinterfragt, was es denn mit diesen Spielregeln so für sein Leben auf sich hätte, antwortet er: Damit sei ein bisschen Menschlichkeit garantiert.

Zurückgefragt, ob er denn von dieser Menschlichkeit nur ein kleines Stückchen selbst verwirkliche, schweigt er: So zu fragen, sei unfair.“

 

9.  Eine gute Regel: Fair geht vor -  nicht nur beim Fußballspielen, überhaupt im Leben. Wer das akzeptiert, wem das wichtig ist, für den kann dann vielleicht auch ein Gebet, das der Fußballnationalmannschaft von Ghana zugeschrieben wird, mehr und mehr wichtig werden:

 

10.  „Herr, lass uns fair spielen. Lass unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen.

Wenn du gnädig bist, dann lass uns gewinnen, hier im Spiel und später, wenn das Leben und das Spiel zu Ende sind.“

 

                                                                    Ludger  Funke